Ohrfeigen fürs Langzeitgedächtnis – Sich etwas hinter die Ohren schreiben

Erschienen am: 23. Mai 2023

Susanne Kilian, Rechtsanwaltskanzlei Kilian & Kollegen, Kitzingen - Fachanwältin für Familienrecht sowie für VerkehrsrechtSicherlich kennen Sie den Ausdruck, „Sich etwas hinter die Ohren schreiben“. Meist benutzt man die Redewendung im Zusammenhang mit einer Standpauke oder scharfen Rüge. Letztendlich bedeutet die Aufforderung, „Schreib dir das hinter die Ohren“ nichts anderes, als dass der Empfänger sich etwas (endlich) sehr gut merken soll.

Ohrfeigen fürs Langzeitgedächtnis
Ursprünglich handelte es sich bei dieser Redewendung tatsächlich um einen wichtigen Vorgang. Schon im Mittelalter wurden Teilnehmer bei Gerichtsverhandlungen geohrfeigt. Dies sollte sicherstellen, dass diese sich auch viele Jahre später immer noch an die ergangenen Urteile erinnern konnten. Denn authentische Zeitzeugen, die genau aus dem Gedächtnis heraus zu berichten wussten, waren wichtig, schließlich standen nicht sehr viele andere Instrumente der Informationsaufbewahrung zur Verfügung.

Gedächtnisstützen aufgrund mangelnder Linguistik
Der Mensch als Geschichts- und Informationsträger nahm somit als Wissensträger einen hohen Stellenwert ein. Erste Überlieferungen dieses Brauchtums gehen viele Jahrhunderte zurück. So wurde die Vorgehensweise schon zu Zeiten der ripuarischen Franken praktiziert. Mit Sicherheit basierte die Nutzung der langanhaltenden „Gedächtnisstützen“ auch auf dem Umstand mangelnder Linguistik früherer Zeiten. Denn Lesen und Schreiben war damals einfach ein Privileg von sehr Wenigen, und somit hatte man nur begrenzte Möglichkeiten der Dokumentation.

Mittelalterliche Post-It-Reminder
Weitere Geschichtsquellen berichten von weiteren Einsatzgebieten dieser Eselsbrücken. Beispielsweise liegen aus dem 19. Jahrhundert Berichte vor, dass Kinder bei wichtigen Regelungen wie der Festlegung von Grenzen als lebende Zeugen hinzugezogen wurden. Dadurch erhoffte man sich, dass die festgelegten Vereinbarungen lange Bestand hatten und bezeugt werden konnten.
Weitere Informationen über die Merkhilfe mittelalterlicher Post-It-Reminder findet man auch unter dem Oberbegriff der Mnemotechnik. Das Feld der Mnemotechnik beschreibt hierbei übrigens auch Arten des Gedächtnistrainings, ohne dabei ein Ereignis unbedingt durch verursachten Schmerz ins Langzeitgedächtnis einzubrennen. So beschreibt die Mnemotechnik Übungen in Form von Reimen, Merksätzen, Grafiken und weiteren Stereotypen.

Ritterschlag, alter Schule
Beim wohl bekanntesten Beispiel, „sich etwas hinter die Ohren zu schreiben“, dürfte es sich sicher um den alten Ritterschlag handeln. Denn das Wort „Schlag“ konnte dabei wörtlich genommen werden. Ritter wurden früher bei ihrer Ernennung nicht zu knapp geohrfeigt. Dies sollte dafür sorgen, dass ihnen die Ernennung und vor allem auch die abgelegten und geleisteten Gelübde ein Leben lang in Erinnerung blieben.

Mehr zu diesem Thema finden Sie hier in der Wikipedia:
Hinter die Ohren schreiben
Mnemotechnik

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Susanne Kilian, Fachanwältin für Familien- und Verkehrsrecht, Kitzingen
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