Was bedeutet das Widerrufsrecht bei Online- und Fernabsatzverträgen wirklich?

Erschienen am: 14. November 2025

Rechtsanwaeltin Susanne Kilian - Kilian und Kollegen - Bismarckstraße 16 - 97318 Kitzingen - Telefonnummer: 09321 920662 sowie 09321 6113Das Widerrufsrecht erlaubt Verbrauchern (nicht Unternehmern), einen sogenannten Fernabsatz- oder Haustürvertrag ohne Angabe von irgendwelchen Gründen innerhalb einer bestimmten Frist rückgängig zu machen (also z. B. Online-Bestellungen). Die zentrale gesetzliche Grundlage ist hierbei § 312g Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), weitere Details zu Wirkungen und Fristen regelt u. a. § 355 BGB.

Wer kann widerrufen?
Nur Verbraucher im Sinn von § 13 BGB — also natürliche Personen, die ein Rechtsgeschäft außerhalb ihrer gewerblichen/selbständigen Tätigkeit abschließen. Unternehmer (§ 14 BGB) haben dieses Recht normalerweise nicht.

Wie lange gilt die Frist?
Grundregel: 14 Tage. Diese Frist beginnt in der Regel bei Waren mit dem Tag, an dem der Verbraucher oder ein von ihm benannter Dritter die Ware erhalten hat. Bei Verträgen über mehrere Waren, die getrennt geliefert werden, beginnt die Frist mit Erhalt der letzten Ware.
Wichtig: Wird der Verbraucher nicht korrekt oder gar nicht über sein Widerrufsrecht belehrt, verlängert sich die Frist erheblich — in vielen Fällen auf spätestens 12 Monate plus 14 Tage (danach erlischt das Recht). Wird die Belehrung später nachgereicht, beginnt die 14-Tages-Frist ab Zugang der Belehrung.

Form und Erklärung des Widerrufs
Der Widerruf muss eindeutig erklärt werden (z. B. per Brief, E-Mail oder über ein Online-Formular). Eine Kurzformulierung reicht („Hiermit widerrufe ich den von mir abgeschlossenen Vertrag über …, Bestellnummer …, Datum …“). Man ist bei einem Widerruf nicht an eine spezielle Form gebunden. Jedoch sollte man immer einen Nachweis aufbewahren (z. B. Versandbestätigung, E-Mail, Onlineformular als Screenshot des Handy-Displays oder am PC unter Windows mit dem Snipping Tool).

Rechtsfolgen — was passiert nach dem Widerruf?
Rückzahlung: Der Unternehmer muss alle Zahlungen einschließlich Lieferkosten (Standardversand), unverzüglich und spätestens binnen 14 Tagen nach Eingang des Widerrufs erstatten. Er kann jedoch die Rückzahlung verweigern, bis er die Ware zurückerhalten hat oder bis der Verbraucher den Nachweis erbracht hat, dass er die Waren zurückgesandt hat.
Rücksendekosten: Grundsätzlich trägt der Verbraucher die Kosten der Rücksendung, wenn der Händler dies in der Widerrufsbelehrung vorher eindeutig mitgeteilt hat. Hat der Händler den Verbraucher nicht rechtzeitig darüber informiert, muss der Händler die Rücksendekosten tragen. Für sperrige Güter muss der Händler die Kosten vorab schätzen oder beziffern.
Wertersatz / Schadensersatz: Wurde die Ware über das hinaus benutzt, was zur Prüfung ihrer Beschaffenheit, Eigenschaften und Funktionsweise erforderlich ist, kann der Händler Wertersatz verlangen – das heißt, der Käufer haftet für eine dadurch entstandene Wertminderung.
Für eine übliche Anprobe oder Prüfung, wie sie auch im Ladengeschäft möglich wäre, darf jedoch kein Wertersatz verlangt werden.

Ausnahmen — wann besteht kein Widerrufsrecht?
Das Widerrufsrecht besteht in bestimmten gesetzlich geregelten Fällen nicht. Dazu gehören insbesondere versiegelte Waren, die aus Gründen des Gesundheitsschutzes oder der Hygiene nach dem Öffnen nicht zur Rückgabe geeignet sind – etwa bestimmte Hygieneartikel oder Kosmetikprodukte.
Ebenso ausgeschlossen ist das Widerrufsrecht bei Waren, die nach Kundenspezifikation angefertigt oder eindeutig auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten sind.
Dazu zählen beispielsweise maßgefertigte Möbel oder Kleidung, personalisierte Produkte wie Tassen oder Schmuck mit Gravur sowie individuell angefertigte Handwerksarbeiten. Aber auch schnell verderbliche Waren oder Waren mit kurzem Verfallsdatum, sowie versiegelte Audio-/Videoaufzeichnungen oder Software auf Datenträger, wenn die Versiegelung entfernt wurde.
Diese Ausnahmen sind in § 312g ff. BGB normiert und durch Rechtsprechung konkretisiert. Im Einzelfall gilt es dies anhand von Produktgruppe(n) und die Händlerangaben zu prüfen.

Praktische Handlungsempfehlungen zum Thema Widerruf und Rückversand
Belehrung und Fristen prüfen: Vor Widerruf die Widerrufsbelehrung des Händlers genau lesen (Datum, Fristbeginn).
Widerruf schriftlich dokumentieren: E-Mail oder Einschreiben mit Datum/Bestellnummer — als Nachweis behalten.
Rücksende-Beleg aufbewahren: Quittung/Tracking-Nummer aufheben — das ist beispielsweise wichtig, falls ein Paket verloren geht.
Die Ware sorgfältig, aber prüfungs-gerecht zurücksenden: Nur so viel ausprobieren, wie im Laden üblich — unnötige Beschädigung vermeiden, sonst kann Wertersatz drohen.

Fazit zum Widerrufsrecht
Das Widerrufsrecht bietet Verbrauchern Schutz bei Fernabsatzverträgen, gilt jedoch nicht für alle Waren. Ausnahmen betreffen unter anderem versiegelte Hygieneartikel, personalisierte oder maßgefertigte Produkte, schnell verderbliche Waren sowie bestimmte digitale Inhalte. Wichtig ist, Fristen und Belehrungen genau zu beachten, den Widerruf schriftlich nachzuweisen und die Rücksendung zu dokumentieren, um Ansprüche sicher geltend machen zu können.
Und beim Widerrufsrecht muss kein Grund angegeben werden; wer möchte, kann ihn jedoch auf freundliche Nachfrage nennen.

Mehr zum Thema:
Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
§ 312g Widerrufsrecht

Weitere spannende Beiträge finden Sie direkt hier:
Recht | Region | Ratgeber

Kilian & Kollegen
Ihre Rechtsanwaltskanzlei in Kitzingen
Startseite

Susanne Kilian, Fachanwältin für Familien- und Verkehrsrecht, Kitzingen
Rechtsgebiete: Familienrecht | Verkehrsrecht | Unfallabwicklung | Recht auf Fahrerlaubnis | Erbrecht | Ordnungswidrigkeiten | Verkehrsstrafrecht | Allgemeines Zivilrecht

„Was bedeutet das Widerrufsrecht bei Online- und Fernabsatzverträgen wirklich?“

Kugelschreiberset-A01 - Kilian und Kollegen - Bismarckstraße 16 - 97318 Kitzingen - Telefonnummer: 09321 920662 sowie 09321 6113

Wir freuen uns, von Ihnen zu hören! Unser Team hilft Ihnen gerne bei Ihrem Anliegen weiter.
Bitte beachten Sie dabei unsere Öffnungszeiten und die telefonische Erreichbarkeit.
Kontaktieren Sie uns

Ähnliche Beiträge

Was bedeutet das Widerrufsrecht bei Online- und Fernabsatzverträgen wirklich?

Erschienen am: 14. November 2025

Rechtsanwaeltin Susanne Kilian - Kilian und Kollegen - Bismarckstraße 16 - 97318 Kitzingen - Telefonnummer: 09321 920662 sowie 09321 6113Das Widerrufsrecht erlaubt Verbrauchern (nicht Unternehmern), einen sogenannten Fernabsatz- oder Haustürvertrag ohne Angabe von irgendwelchen Gründen innerhalb einer bestimmten Frist rückgängig zu machen (also z. B. Online-Bestellungen). Die zentrale gesetzliche Grundlage ist hierbei § 312g Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), weitere Details zu Wirkungen und Fristen regelt u. a. § 355 BGB.

Wer kann widerrufen?
Nur Verbraucher im Sinn von § 13 BGB — also natürliche Personen, die ein Rechtsgeschäft außerhalb ihrer gewerblichen/selbständigen Tätigkeit abschließen. Unternehmer (§ 14 BGB) haben dieses Recht normalerweise nicht.

Wie lange gilt die Frist?
Grundregel: 14 Tage. Diese Frist beginnt in der Regel bei Waren mit dem Tag, an dem der Verbraucher oder ein von ihm benannter Dritter die Ware erhalten hat. Bei Verträgen über mehrere Waren, die getrennt geliefert werden, beginnt die Frist mit Erhalt der letzten Ware.
Wichtig: Wird der Verbraucher nicht korrekt oder gar nicht über sein Widerrufsrecht belehrt, verlängert sich die Frist erheblich — in vielen Fällen auf spätestens 12 Monate plus 14 Tage (danach erlischt das Recht). Wird die Belehrung später nachgereicht, beginnt die 14-Tages-Frist ab Zugang der Belehrung.

Form und Erklärung des Widerrufs
Der Widerruf muss eindeutig erklärt werden (z. B. per Brief, E-Mail oder über ein Online-Formular). Eine Kurzformulierung reicht („Hiermit widerrufe ich den von mir abgeschlossenen Vertrag über …, Bestellnummer …, Datum …“). Man ist bei einem Widerruf nicht an eine spezielle Form gebunden. Jedoch sollte man immer einen Nachweis aufbewahren (z. B. Versandbestätigung, E-Mail, Onlineformular als Screenshot des Handy-Displays oder am PC unter Windows mit dem Snipping Tool).

Rechtsfolgen — was passiert nach dem Widerruf?
Rückzahlung: Der Unternehmer muss alle Zahlungen einschließlich Lieferkosten (Standardversand), unverzüglich und spätestens binnen 14 Tagen nach Eingang des Widerrufs erstatten. Er kann jedoch die Rückzahlung verweigern, bis er die Ware zurückerhalten hat oder bis der Verbraucher den Nachweis erbracht hat, dass er die Waren zurückgesandt hat.
Rücksendekosten: Grundsätzlich trägt der Verbraucher die Kosten der Rücksendung, wenn der Händler dies in der Widerrufsbelehrung vorher eindeutig mitgeteilt hat. Hat der Händler den Verbraucher nicht rechtzeitig darüber informiert, muss der Händler die Rücksendekosten tragen. Für sperrige Güter muss der Händler die Kosten vorab schätzen oder beziffern.
Wertersatz / Schadensersatz: Wurde die Ware über das hinaus benutzt, was zur Prüfung ihrer Beschaffenheit, Eigenschaften und Funktionsweise erforderlich ist, kann der Händler Wertersatz verlangen – das heißt, der Käufer haftet für eine dadurch entstandene Wertminderung.
Für eine übliche Anprobe oder Prüfung, wie sie auch im Ladengeschäft möglich wäre, darf jedoch kein Wertersatz verlangt werden.

Ausnahmen — wann besteht kein Widerrufsrecht?
Das Widerrufsrecht besteht in bestimmten gesetzlich geregelten Fällen nicht. Dazu gehören insbesondere versiegelte Waren, die aus Gründen des Gesundheitsschutzes oder der Hygiene nach dem Öffnen nicht zur Rückgabe geeignet sind – etwa bestimmte Hygieneartikel oder Kosmetikprodukte.
Ebenso ausgeschlossen ist das Widerrufsrecht bei Waren, die nach Kundenspezifikation angefertigt oder eindeutig auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten sind.
Dazu zählen beispielsweise maßgefertigte Möbel oder Kleidung, personalisierte Produkte wie Tassen oder Schmuck mit Gravur sowie individuell angefertigte Handwerksarbeiten. Aber auch schnell verderbliche Waren oder Waren mit kurzem Verfallsdatum, sowie versiegelte Audio-/Videoaufzeichnungen oder Software auf Datenträger, wenn die Versiegelung entfernt wurde.
Diese Ausnahmen sind in § 312g ff. BGB normiert und durch Rechtsprechung konkretisiert. Im Einzelfall gilt es dies anhand von Produktgruppe(n) und die Händlerangaben zu prüfen.

Praktische Handlungsempfehlungen zum Thema Widerruf und Rückversand
Belehrung und Fristen prüfen: Vor Widerruf die Widerrufsbelehrung des Händlers genau lesen (Datum, Fristbeginn).
Widerruf schriftlich dokumentieren: E-Mail oder Einschreiben mit Datum/Bestellnummer — als Nachweis behalten.
Rücksende-Beleg aufbewahren: Quittung/Tracking-Nummer aufheben — das ist beispielsweise wichtig, falls ein Paket verloren geht.
Die Ware sorgfältig, aber prüfungs-gerecht zurücksenden: Nur so viel ausprobieren, wie im Laden üblich — unnötige Beschädigung vermeiden, sonst kann Wertersatz drohen.

Fazit zum Widerrufsrecht
Das Widerrufsrecht bietet Verbrauchern Schutz bei Fernabsatzverträgen, gilt jedoch nicht für alle Waren. Ausnahmen betreffen unter anderem versiegelte Hygieneartikel, personalisierte oder maßgefertigte Produkte, schnell verderbliche Waren sowie bestimmte digitale Inhalte. Wichtig ist, Fristen und Belehrungen genau zu beachten, den Widerruf schriftlich nachzuweisen und die Rücksendung zu dokumentieren, um Ansprüche sicher geltend machen zu können.
Und beim Widerrufsrecht muss kein Grund angegeben werden; wer möchte, kann ihn jedoch auf freundliche Nachfrage nennen.

Mehr zum Thema:
Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
§ 312g Widerrufsrecht

Weitere spannende Beiträge finden Sie direkt hier:
Recht | Region | Ratgeber

Kilian & Kollegen
Ihre Rechtsanwaltskanzlei in Kitzingen
Startseite

Susanne Kilian, Fachanwältin für Familien- und Verkehrsrecht, Kitzingen
Rechtsgebiete: Familienrecht | Verkehrsrecht | Unfallabwicklung | Recht auf Fahrerlaubnis | Erbrecht | Ordnungswidrigkeiten | Verkehrsstrafrecht | Allgemeines Zivilrecht

„Was bedeutet das Widerrufsrecht bei Online- und Fernabsatzverträgen wirklich?“

Kugelschreiberset-A01 - Kilian und Kollegen - Bismarckstraße 16 - 97318 Kitzingen - Telefonnummer: 09321 920662 sowie 09321 6113

Wir freuen uns, von Ihnen zu hören! Unser Team hilft Ihnen gerne bei Ihrem Anliegen weiter.
Bitte beachten Sie dabei unsere Öffnungszeiten und die telefonische Erreichbarkeit.
Kontaktieren Sie uns